Ratgeber · Tigermücke

Die Asiatische Tigermücke in Deutschland: erkennen, einordnen, schützen

Die Asiatische Tigermücke breitet sich in Deutschland aus — am stärksten entlang des Oberrheins, in der Region Stuttgart und am Mittleren Neckar. Sie ist klein, schwarz-weiß gemustert und sticht tagsüber. Und sie hat in Deutschland bis heute keine einzige Infektion übertragen — nachweislich keine Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Erkrankung. Dieser Artikel erklärt, woran Sie die Tigermücke erkennen, womit sie am häufigsten verwechselt wird, wie das Risiko einzuordnen ist — und was tatsächlich hilft.

Stand: 17.07.2026 · Lesezeit ~9 Min · Insektenschutz-Expertenteam von Gessler & Bolch

Asiatische Tigermücke in Nahaufnahme (Illustration)
Inhaltsverzeichnis

Die kurze Antwort

  • Aussehen: 3 bis 8 Millimeter, typisch rund 6 mm — kleiner als eine 1-Cent-Münze. Tiefschwarz mit weißen Streifen, fünf weiße Ringe an den Hinterbeinen, letztes Beinglied komplett weiß, ein durchgehender weißer Streifen über Kopf und Rücken.
  • Verwechslung: Die meisten Verdachtsfälle sind harmlose Ringelmücken oder Buschmücken. Der weiße Längsstreifen auf dem Rücken ist das sicherste Unterscheidungsmerkmal — er fehlt beiden.
  • Verbreitung: regional in Teilen Baden-Württembergs, Rheinland-Pfalz, Hessens und Nordrhein-Westfalens sowie in einzelnen Städten in Bayern, Thüringen und Berlin (Robert Koch-Institut, Juni 2026). In Baden-Württemberg sind 26 der 44 Stadt- und Landkreise betroffen, an mindestens 66 Standorten gibt es etablierte Populationen (Sozialministerium BW, Juni 2026).
  • Risiko: In Deutschland wurde bisher keine durch die Tigermücke übertragene Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Infektion nachgewiesen. Das Risiko gilt als gering — steigt aber mit der weiteren Ausbreitung.
  • Melden: ja, bitte. Über die KABS, den Mückenatlas oder das zuständige Gesundheitsamt. Bürgermeldungen sind die Datengrundlage der Behörden.
  • Schutz: Brutstätten trockenlegen (wöchentlich!) ist die wirksamste Maßnahme. Weil die Tigermücke tagsüber sticht, wirkt an Fenstern und Türen eine physische Barriere rund um die Uhr.

Wie erkenne ich die Asiatische Tigermücke?

An vier Merkmalen — und eines davon ist entscheidend. Das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Stuttgart nennt diese vier Punkte:

  1. ein schwarz-weiß gefärbter Körper
  2. fünf weiße Streifen an den Hinterbeinen
  3. ein weißes letztes Beinglied
  4. ein weißer Streifen auf Kopf und Rücken

Das entscheidende Merkmal ist Nummer 4: der durchgehende, gerade silberweiße Längsstreifen, der mittig über Kopf und Rückenschild verläuft. Er fehlt allen häufigen Verwechslungsarten in Deutschland. Wenn Sie diesen Streifen nicht sehen, ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Tigermücke.

Die Größe überrascht die meisten: Mit 3 bis 8 Millimetern — typischerweise rund 6 mm — ist die Tigermücke kleiner als eine 1-Cent-Münze und damit deutlich zierlicher als heimische Stechmücken.

💡 Übrigens: Der Name führt in die Irre.

„Der Name ‚Tigermücke' kann irreführend sein, denn das Insekt ist tiefschwarz mit weißer Musterung am gesamten Körper."

— Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg, 13.06.2025

Wer nach etwas Orange-Gestreiftem sucht, sucht am falschen Tier. Die Tigermücke kennt nur zwei Farben: tiefschwarz und silberweiß.

Aktiv ist sie von Mai bis Oktober (Gesundheitsamt Stuttgart).

Erkennungs-Check

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Die vier Erkennungsmerkmale als Liste
  • Schwarz-weiß gefärbter Körper, nur zwei Farben (tiefschwarz und silberweiß)
  • Fünf weiße Ringe an den Hinterbeinen, letztes Beinglied komplett weiß
  • Durchgehender weißer Längsstreifen über Kopf und Rücken (entscheidendes Merkmal)
  • 3 bis 8 mm groß, kleiner als eine 1-Cent-Münze; sticht tagsüber

Welche Mücke sieht der Tigermücke ähnlich?

Meistens ist es gar keine Tigermücke. Die beiden häufigsten Verwechslungsarten in Deutschland sind die Ringelmücke (Culiseta annulata, oft „Ringelschnake" genannt) und die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus). Beide sind deutlich häufiger als die Tigermücke — und beide gelten in Deutschland derzeit nicht als relevante Überträger der genannten Tropenviren (Landkreis Heilbronn).

Merkmal Asiatische Tigermücke Ringelmücke (Ringelschnake) Asiatische Buschmücke
Größe3–8 mm, kleiner als 1-Cent-Münzedeutlich größerklein bis mittel
Farbetiefschwarz + silberweiß, nur zwei Farbengrau-braun / bräunlichdunkel- bis schwarzbraun
Weißer Streifen auf Kopf & Rückenja — durchgehendneinnein — stattdessen braun-goldene Zeichnung
Ringe an den Hinterbeinenfünf weiße Ringegeringelt, aber schwächernur drei
Letztes Beingliedkomplett weißnicht komplett weiß
Mundwerkzeuge (Palpen)schwarz, Spitze silberweißhellbraunkomplett schwarz
Flügeltransparent, ohne Musterdrei dunkle Flecken je Flügel
Sticht tagsüber?janein (dämmerungs-/nachtaktiv)
Gesundheitsrisikopotenzieller Überträgerkein bekanntes Überträgerrisikokein bekanntes Überträgerrisiko

Quellen: TIGER-Platform (trinationale Initiative Oberrhein), Landkreis Heilbronn, Umweltbundesamt, Hessisches Landesamt für Gesundheit und Pflege, Landeshauptstadt Stuttgart

Die zwei schnellsten Prüfungen für Laien:

  • Ist das Tier größer als ein 1-Cent-Stück? → keine Tigermücke.
  • Fehlt der weiße Streifen auf dem Rücken? → mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Tigermücke.

Und was ist mit „Schnaken"?

Wenn im Sommer ein großes, langbeiniges Insekt taumelnd ans Fenster stößt, ist das eine Stelzmücke (Tipula) — hochdeutsch korrekt „Schnake" genannt. Sie ist völlig harmlos und sticht überhaupt nicht. Im Südwesten wird „Schnake" umgangssprachlich allerdings für die Stechmücke verwendet — daher der Name der KABS, der „Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage". Beide Bedeutungen sind gebräuchlich; gemeint sind zwei völlig verschiedene Tiere. Mehr dazu in unserem Artikel Was hilft gegen Mücken?

Woher kommt die Tigermücke — und wie kam sie nach Deutschland?

Sie stammt aus den süd- und südostasiatischen Tropen und hat sich in den vergangenen rund 30 Jahren weltweit ausgebreitet. In Europa wurde sie erstmals 1979 in Albanien nachgewiesen (KABS). In Südeuropa ist sie längst heimisch; von dort breitet sie sich nach Norden aus.

Der Weg nach Europa führte über den Handel. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg nennt zwei Hauptwege: den Handel mit Altreifen und mit „Lucky Bamboo" (Glücksbambus). In beiden steht Wasser — und genau dorthin legt die Tigermücke ihre Eier.

Der erste deutsche Nachweis war 2007 in Baden-Württemberg, an einer Autobahn-Raststätte bei Weil am Rhein an der A5 nahe der Schweizer Grenze. Baden-Württemberg war damit das erste Bundesland mit einem Tigermücken-Nachweis (Landesgesundheitsamt BW, nach Pluskota et al., 2016).

Warum ausgerechnet der Südwesten? Das Landesgesundheitsamt BW erklärt es so:

„Einige Regionen in Baden-Württemberg sind besonders geeignet für die Einschleppung und die Etablierung der Tigermücke, auch durch die Nähe zu Ländern mit starker Verbreitung von Tigermücken wie Frankreich und Italien. So können die Mücken als ‚blinde Passagiere' z. T. mit dem PKW nach Deutschland gelangen."

Hinzu kommt der Klimawandel: Der „klimawandelbedingte Temperaturanstieg begünstigt die Ausbreitung der Tigermücke in immer mehr Städten und Gemeinden wärmerer Regionen des Landes" (Sozialministerium BW, 13.06.2025).

Und sie bleibt. Die Tigermücke überwintert inzwischen nachweislich in Süddeutschland — das hat das Friedrich-Loeffler-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, bestätigt. Überwintert wird dabei nicht als erwachsene Mücke, sondern als Ei: Im Herbst gelegte „Überwinterungseier" überstehen Frost und Trockenheit und schlüpfen im nächsten Sommer.

Wo in Deutschland gibt es die Tigermücke?

Das Robert Koch-Institut nennt (Stand Juni 2026) sieben Bundesländer:

„Aedes albopictus kommen regional in Deutschland vor: in Teilen Baden-Württembergs, Rheinland-Pfalz, Hessens, Nordrhein-Westfalens, sowie in einzelnen Städten in Bayern, Thüringen und Berlin. Die Gebiete ihres Vorkommens weiten sich von Jahr zu Jahr aus."

— Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 25/2026, 18.06.2026

Besonders betroffen sind urbane Räume — was daran liegt, dass die Art die menschliche Umgebung gezielt sucht.

In Baden-Württemberg ist über die Hälfte des Landes betroffen. Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand nannte am 1. Juni 2026 konkrete Zahlen:

„In Baden-Württemberg werden seit Jahren immer mehr Populationen nachgewiesen, vor allem entlang des Oberrheingrabens, am Bodensee, am mittleren Neckar und in der Rhein-Neckar Region. Im vergangenen Jahr wurde die Asiatische Tigermücke in zwei weiteren Stadt- und Landkreisen gefunden. Damit sind insgesamt 26 der 44 Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs betroffen. An mindestens 66 Standorten gibt es etablierte Populationen dieser Stechmückenart."

— Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg, 01.06.2026

Das Landesgesundheitsamt nennt als Schwerpunkte den Oberrheingraben und die Region um Stuttgart und hält fest:

„Mittlerweile wurde die Tigermücke in allen als Gunsträume identifizierten Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs nachgewiesen; meistens in Form von Einzelnachweisen, aber auch als etablierte Populationen, die teilweise schon länger bekämpft werden."

Auch in der Region Heilbronn ist sie angekommen: Der erste bestätigte Fund im Landkreis Heilbronn datiert vom 27. Juli 2021. Der Landkreis ordnet die Lage heute so ein: Die Art breitet sich in Baden-Württemberg zunehmend aus, ist in der Region aber noch selten; das Infektionsrisiko durch einen Stich sei „sehr gering".

⚠️ Eine wichtige Einschränkung, die man kennen sollte:

„Die Verbreitung der Asiatischen Tigermücke in Baden-Württemberg wird passiv anhand von Bürgereinsendungen erhoben. Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Tigermücke an weiteren Standorten bereits zu finden ist." — Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

Alle Verbreitungsangaben sind also Mindestzahlen, keine Vollerhebung. Genau deshalb sind Meldungen aus der Bevölkerung so wichtig.

Bevorzugte Lebensräume: Kleingartenanlagen, Campingplätze und städtische Wohngebiete mit Gärten — überall dort, wo Wassergefäße zur Eiablage bereitstehen (Landesgesundheitsamt BW).

Am Oberrhein wird aktiv bekämpft: Die KABS führt derzeit in 54 Kommunen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen Bekämpfungsmaßnahmen durch (Abrufstand 16.07.2026).

Was passiert, wenn man von einer Tigermücke gestochen wird?

In aller Regel nichts anderes als bei einem gewöhnlichen Mückenstich. Das Hessische Gesundheitsressort formuliert es so:

„Der Stich der Tigermücke ist selbst eher ungefährlich und geht meist mit den typischen unangenehmen Folgen eines Mückenstichs wie Juckreiz und Schwellung der betroffenen Stelle einher."

Lästiger ist ihr Verhalten, nicht der einzelne Stich. Die Tigermücke ist „sehr stechfreudig" (Gesundheitsamt Stuttgart), gilt als „äußerst aggressive Stechmücke" (Umweltbundesamt), verfolgt ihren Wirt und sticht oft mehrfach. Und sie sticht tagsüber — dazu gleich mehr.

Was Sie tun sollten:

  • Nicht kratzen — das beugt Sekundärinfektionen vor.
  • Bei Fieber innerhalb weniger Tage nach einem verdächtigen Stich: ärztlich abklären lassen (Empfehlung des Landkreises Heilbronn).

Wie gefährlich ist die Tigermücke in Deutschland wirklich?

Die wichtigste Zahl zuerst: null.

„…wurden bisher noch keine von Ae. albopictus in Deutschland übertragenen Infektionen (Chikungunyafieber, Denguefieber oder Zikavirus-Infektionen) identifiziert."

— Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 25/2026, 18.06.2026

Das RKI bestätigt dies unabhängig in seinen FAQ (Stand 23.06.2026): „Übertragungen von Dengue-, Chikungunya- und Zikafieber durch Stechmücken in Deutschland wurden noch nicht beobachtet." Und das Sozialministerium Baden-Württemberg hält am 1. Juni 2026 fest: „Bisher gab es noch keine lokalen Übertragungen tropischer Krankheitserreger in Deutschland. Aktuell ist das Risiko hierfür auch gering."

Warum das so ist — die Übertragungskette hat eine Lücke. Die Tigermücke bringt keine Krankheitserreger mit. Sie kann Dengue-, Chikungunya- oder Zikaviren nur weitergeben, wenn sie diese zuvor bei einem infizierten Reiserückkehrer aufgenommen hat — und wenn es danach mehrere Tage lang heiß genug ist, dass sich die Erreger in der Mücke vermehren. Beides muss zusammenkommen. Bisher ist das in Deutschland nicht passiert.

Aber: Die Behörden geben keine Entwarnung. Die Formulierung des Landes Baden-Württemberg ist präzise: „Mit dem Klimawandel und der damit verbundenen Temperaturerhöhung steigt auch das aktuell geringe Risiko für lokale Infektionen."

Die Stadt Stuttgart formuliert es so: „Noch ist hierzulande das Risiko gering, durch ihren Stich an einer Infektionskrankheit zu erkranken. Doch je weiter sich die invasive Art ausbreitet, desto größer wird das Risiko."

Wie nah das Thema ist, zeigt der Sommer 2025. Das RKI berichtet von „besonders vielen kleineren Chikungunya-Ausbrüchen in Italien und Frankreich, u. a. in Frankreich direkt an der Grenze zu Deutschland". Ein bestätigter Fall betraf eine Person, die sich ausschließlich im Elsass südlich von Straßburg aufgehalten hatte — rund sechs bis sieben Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Der baden-württembergische Gesundheitsminister zog daraus im Juni 2026 diesen Schluss:

„Die lokal erworbenen Chikungunya-Erkrankungen in der benachbarten Region um Straßburg in 2025 zeigen aber, dass man im Hochsommer auch bei uns in Regionen mit hohen Tigermückenvorkommen lokale Infektionen nicht ausschließen kann."

— Oliver Hildenbrand, Minister für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg, 01.06.2026

Zur ehrlichen Einordnung gehört auch das: Das RKI weist darauf hin, dass dort, wo Tigermücke und West-Nil-Virus gleichzeitig vorkommen, „eine Infektion mit WNV wahrscheinlicher [ist] als eine der durch Ae. albopictus übertragbaren Krankheiten". Das West-Nil-Virus wird von heimischen Mücken übertragen und ist in Teilen Ostdeutschlands etabliert — für Baden-Württemberg ist es derzeit nicht relevant.

Die faire Zusammenfassung: Die Tigermücke ist in Deutschland aktuell vor allem eine erhebliche Belästigung — tagaktiv, aggressiv, stechfreudig. Als Krankheitsüberträgerin hat sie hier bislang keine Rolle gespielt. Beobachtet wird sie, weil sich das mit dem Klima ändern kann. Wer daraus Panik macht, übertreibt. Wer sie ignoriert, macht es sich zu einfach.

Soll man Tigermücken melden — und wie?

Ja, unbedingt. Der Grund ist einfach: Die Behörden wissen nur, wo die Tigermücke ist, weil Bürgerinnen und Bürger sie melden. Die Erfassung in Baden-Württemberg läuft ausschließlich über solche Einsendungen. Die Stadt Stuttgart:

„Diesem Bürgermonitoring kommt eine erhebliche Bedeutung zu, weil hierdurch die Monitoring- und Bekämpfungsmaßnahmen gesteuert und angepasst werden können."

So geht es:

WegWerWas einsenden
KABS e.V. (vom Land BW empfohlen)Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage, Speyergut erhaltenes Tier oder gut erkennbares Foto → kabsev.de
Mückenatlas (bundesweit)Leibniz-Zentrum ZALF + Friedrich-Loeffler-Institutgefangene Mücke per Post → mueckenatlas.com
TIGER-Platform (Oberrhein D/F/CH)trinationale InitiativeOnline-Meldung → tiger-platform.eu
Gesundheitsamt vor Ortz. B. Landkreis HeilbronnE-Mail mit Ort, Zeit und Foto an tigermuecke@landratsamt-heilbronn.de, Online-Formular oder Einsendung an das Gesundheitsamt, Lerchenstraße 40, 74072 Heilbronn

Ein Hinweis zur Meldepflicht: In Hessen besteht nach § 1 Abs. 1 SchädlBekV HE eine Anzeigepflicht für Grundstückseigentümer bei Befall mit Gesundheitsschädlingen. Für Baden-Württemberg ist uns keine vergleichbare gesetzliche Pflicht bekannt — hier ist die Meldung eine dringende Bitte, keine Vorschrift.

Der Mückenatlas in Zahlen (Stand 29.06.2026): 41.826 Einsendungen, über 37.000 Teilnehmende, über 207.000 gesammelte Mücken seit 2012. Zum Vergleich: Weltweit gibt es rund 3.700 Stechmückenarten, in Deutschland rund 50.

Soll man Tigermücken töten?

Wenn Sie ein Verdachtsexemplar finden: ja — und zwar für die Bestimmung. Anders als heimische Insekten steht die Asiatische Tigermücke als invasive Art nicht unter Schutz und wird von den Behörden aktiv bekämpft. Die Gesundheitsämter bitten ausdrücklich um die Einsendung frisch getöteter oder über Nacht eingefrorener Tiere — genau das ist also der erwünschte Weg.

Aber das Erschlagen einzelner Mücken löst das Problem nicht. Alle Behörden setzen den Schwerpunkt woanders: auf die Brutstätten. Ein Weibchen legt im Lauf seines Lebens 300 bis 350 Eier (Umweltbundesamt). Gegen diese Rechnung kommt keine Fliegenklatsche an — ein einziger vergessener Blumentopf-Untersetzer schon.

Und Vorsicht bei der Verwechslung: Wer im Zweifel jedes schwarz-weiße Insekt totschlägt, erwischt fast immer harmlose heimische Arten. Erst schauen, dann melden.

Wie schütze ich mich vor der Tigermücke?

1. Brutstätten trockenlegen — der mit Abstand wirksamste Hebel

Die Tigermücke brütet nicht im Teich, sondern in Ihrem Blumentopf-Untersetzer. Das ist der entscheidende Unterschied zu heimischen Mücken. Das Sozialministerium Baden-Württemberg:

„Die stark an den Menschen angepasste Tigermücke nutzt fast jede kleine Wasseransammlung auf Balkon, Hof oder Garten – etwa in Gießkannen, in Blumentopf-Untersetzer, in herumliegendem Kinderspielzeug oder in Regentonnen. Heimische Mücken bevorzugen dagegen meist offene, fließende Gewässer."

Fachlich genauer gesagt: Viele heimische Stechmücken nutzen je nach Art stehende oder temporäre Gewässer — Tümpel, Gräben, Regentonnen oder Teiche. Die Tigermücke dagegen ist auf kleinste künstliche Wasserbehälter im Siedlungsraum spezialisiert; genau das macht die Brutstätten-Kontrolle im eigenen Garten so wirksam.

Zwei Zahlen erklären, warum das so gut funktioniert:

  • Sieben Tage. So lange dauert es bei Hitze vom Ei bis zur fertigen Mücke (Gesundheitsamt Stuttgart). Wer einmal pro Woche leert, unterbricht den Zyklus zuverlässig — bevor eine einzige Mücke fertig wird.
  • 100 bis 200 Meter. Weiter fliegt eine Tigermücke kaum; sie gilt als schlechte Fliegerin. Wer im eigenen Garten gestochen wird, hat die Brutstätte fast immer im eigenen oder direkt benachbarten Grundstück. Ihre Maßnahmen wirken also genau dort, wo Sie sitzen.

Die typischen Brutstätten:
Regentonnen · Eimer · Gießkannen · Blumentopf-Untersetzer · Wasserschalen · Vogeltränken · Hundenäpfe · liegengebliebenes Kinderspielzeug · leere Dosen · Planschbecken · alte Autoreifen · verstopfte Dachrinnen · manche Gullys und Abflüsse · Blumenvasen auf dem Friedhof · Lichtschächte, in denen Wasser steht

Was konkret zu tun ist:

  • Regentonnen dicht mit einem feinen Netz abdecken
  • Gießkannen, Eimer und Kübel umdrehen oder trocken lagern
  • Vogeltränken und Hundenäpfe wöchentlich leeren, mit der Bürste grob reinigen und neu befüllen
  • Dachrinnen und Lichtschächte freihalten und entwässern
  • Das Wasser auf die Wiese gießen — nicht in den Abfluss. Sonst verschleppen Sie die Eier nur.
  • Im Herbst alle geleerten Behälter ausschrubben oder mit 60 bis 70 °C heißem Wasser ausspülen. Die Eier kleben am Innenrand, überstehen Frost und Trockenheit — und schlüpfen im nächsten Sommer.

✅ Entwarnung für Gartenteich-Besitzer:

„Naturnahe, belebte Gartenteiche und Fließgewässer sind keine Brutstätten. Hier werden die Tigermückenlarven von natürlichen Fressfeinden gejagt." — Gesundheitsamt Stuttgart

Ihr Teich ist nicht das Problem. Der Untersetzer daneben schon.

Wo sich Wasser nicht vermeiden lässt, kommt Bti infrage — ein Bodenbakterium (Bacillus thuringiensis israelensis), das gezielt Mückenlarven abtötet und für Menschen, Haustiere, Pflanzen und andere Insekten unbedenklich ist. Das Land Baden-Württemberg empfiehlt: Behälter, die sich nicht regelmäßig leeren lassen, alle 14 Tage mit Bti-Tabletten behandeln; erhältlich sind sie im Baumarkt, in ausgewählten Apotheken und bei einigen Kommunen. Wichtig: nur dort einsetzen, wo die Brutstätte nicht beseitigt werden kann — und niemals in Gartenteichen oder Bächen, wo natürliche Fressfeinde die Arbeit ohnehin erledigen.

2. Fenster und Türen: warum eine Barriere bei dieser Art besonders viel bringt

Weil die Tigermücke tagsüber sticht, greift der übliche Schutz nicht. Bei heimischen Mücken reicht es vielen, abends die Fenster zu schließen oder vor dem Schlafengehen ein Mittel aufzutragen — sie sind dämmerungs- und nachtaktiv. Die Tigermücke hält sich nicht daran: Sie sticht „auch vor der Dämmerung" (Gesundheitsamt Stuttgart) und ist häufig morgens und am späten Nachmittag besonders aktiv. Diese Tagaktivität ist der praktisch wichtigste Verhaltensunterschied.

Für den Alltag heißt das: Ein Mückenmittel müsste man den ganzen Tag auftragen und je nach Wirkstoff mehrfach erneuern — im eigenen Zuhause ist das weder praktikabel noch sinnvoll. Ein Insektenschutzgitter an Fenstern und Türen arbeitet dagegen ohne Zutun, bei offenem Fenster, den ganzen Tag. Es ist die einzige Maßnahme, die zum Aktivitätsmuster dieser Art passt.

Dabei ist ein Gitter kein Allheilmittel: Es schützt exakt dort, wo es sitzt — nicht auf der Terrasse und nicht im Garten. Draußen bleiben Brutstättenkontrolle, Kleidung und Repellents die Mittel der Wahl. Aber es hält die Tigermücke aus den Räumen heraus, in denen Sie sich den ganzen Tag aufhalten. Passende Lösungen gibt es für Fenster ebenso wie für Türen; für Kellerfenster und Lichtschächte — die zugleich Einstiegsweg und Brutstätte sein können — gibt es Lichtschachtabdeckungen, für ungewöhnliche Einbausituationen Sonderlösungen.

Ein Gitter mit Loch ist kein Gitter

Das klingt banal, ist aber bei dieser Art besonders relevant: Die Tigermücke ist mit 3 bis 8 Millimetern winzig — noch einmal deutlich kleiner als die häufigste Verwechslungsart, die Ringelmücke. Ein Riss im Gewebe, eine Lücke am Rahmen oder eine Tür, die nicht schließt, machen den Schutz zunichte. Prüfen Sie Gewebe und Rahmen zu Saisonbeginn — Beschädigungen lassen sich reparieren, statt das ganze Element zu ersetzen.

3. Unterwegs und im Garten

Draußen helfen die üblichen Maßnahmen: lange, helle Kleidung und Mückenschutzmittel mit den Wirkstoffen DEET oder Icaridin — laut Landesapothekerkammer Baden-Württemberg schützen Repellentien mit höherer Konzentration dieser Wirkstoffe „effektiv vor Stichen".

Eine Besonderheit gilt für Reiserückkehrer aus den Tropen. Hier schließt sich die Übertragungskette genau dort, wo sie beginnen könnte. Der Hausarzt und Klimaschutzbeauftragte der Landesärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Robin Maitra:

„Reiserückkehrende aus den Tropen sollten in den ersten 14 Tagen auch in Baden-Württemberg auf Mückenschutz achten. Denn viele gefährliche Erreger können unwissentlich im Blut vorhanden sein und durch hier heimische Tigermücken weiterverbreitet werden. Außerdem wichtig: Sobald Fieber oder andere Erkrankungszeichen auftreten, sollte man beim Hausarzt mit dem Hinweis auf das Reiseland vorstellig werden."

Mehr allgemeine Tipps stehen in unserem Artikel Was hilft gegen Mücken?

Häufige Fragen

Wie gefährlich sind Tigermücken in Deutschland?

Nach derzeitigem Stand gering. Das Robert Koch-Institut hält fest, dass in Deutschland bisher keine durch die Asiatische Tigermücke übertragene Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Infektion nachgewiesen wurde (Stand 18.06.2026). Die Behörden beobachten die Lage, weil das Risiko mit der weiteren Ausbreitung und steigenden Temperaturen zunimmt. Als Belästigung ist sie dagegen sehr real: Sie sticht tagsüber und ist ausgesprochen stechfreudig.

Was passiert, wenn man von der Tigermücke gestochen wird?

In aller Regel dasselbe wie bei jedem Mückenstich: Juckreiz und Schwellung. Das Hessische Gesundheitsressort stuft den Stich selbst als „eher ungefährlich“ ein. Nicht kratzen. Wenn Sie in den Tagen nach einem verdächtigen Stich Fieber bekommen, lassen Sie das ärztlich abklären.

Wo in Deutschland gibt es die Tigermücke?

Laut Robert Koch-Institut (Juni 2026) regional in Teilen Baden-Württembergs, Rheinland-Pfalz, Hessens und Nordrhein-Westfalens sowie in einzelnen Städten in Bayern, Thüringen und Berlin. In Baden-Württemberg sind laut Sozialministerium 26 der 44 Stadt- und Landkreise betroffen, an mindestens 66 Standorten gibt es etablierte Populationen (Stand Juni 2026); Schwerpunkte sind der Oberrheingraben, der Bodensee, der mittlere Neckar und die Rhein-Neckar-Region. Da die Erfassung auf Bürgermeldungen beruht, sind das Mindestangaben.

Was tun, wenn man Tigermücken sieht?

Fangen Sie das Tier möglichst unbeschädigt, oder machen Sie ein scharfes Foto. Melden Sie den Fund bei der KABS, beim Mückenatlas oder bei Ihrem Gesundheitsamt. Prüfen Sie anschließend Ihr Grundstück auf stehendes Wasser — bei einem Flugradius von 100 bis 200 Metern liegt die Brutstätte fast immer in unmittelbarer Nähe.

Soll man Tigermücken melden?

Ja. Die Behörden erfassen die Verbreitung in Baden-Württemberg ausschließlich über Einsendungen aus der Bevölkerung. Jede Meldung verbessert die Datenlage und steuert die Bekämpfung.

Soll man Tigermücken töten?

Ein Verdachtsexemplar dürfen und sollen Sie abtöten — die Gesundheitsämter bitten ausdrücklich um die Einsendung frisch getöteter oder eingefrorener Tiere zur Bestimmung. Für die Eindämmung entscheidend ist aber nicht das Erschlagen einzelner Mücken, sondern das Trockenlegen der Brutstätten.

Welche Mücke sieht der Tigermücke ähnlich?

Am häufigsten die Ringelmücke (Culiseta annulata, „Ringelschnake“) und die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus). Beide sind harmlos. Sicherstes Unterscheidungsmerkmal ist der durchgehende weiße Längsstreifen über Kopf und Rücken — den hat nur die Tigermücke.

Wie sieht die Ringelmücke aus?

Sie ist deutlich größer als die Tigermücke, grau-braun statt schwarz-weiß, hat geringelte Beine ohne komplett weißes Endglied, hellbraune Mundwerkzeuge und drei verschwommene dunkle Flecken auf jedem Flügel. Ihr fehlt der weiße Rückenstreifen. Und sie sticht nicht tagsüber, sondern in der Dämmerung.

Ist ein Stich der Tigermücke tödlich?

Nein. In Deutschland wurde bislang keine einzige durch die Tigermücke übertragene Infektion nachgewiesen (Robert Koch-Institut, Stand 18.06.2026). Der Stich selbst verursacht Juckreiz und Schwellung wie andere Mückenstiche auch.

Autor

Insektenschutz-Expertenteam von Gessler & Bolch

Die Gessler & Bolch Insektenschutz AG aus Ilsfeld fertigt seit 1980 maßgefertigten Insektenschutz — heute rund 80.000 Elemente pro Jahr, als zertifizierter NEHER-Partner. Unser Vertriebsgebiet umfasst weite Teile Baden-Württembergs, Rheinland-Pfalz, das Saarland sowie Teile Hessens und Bayerns — also genau die Regionen, in denen sich die Asiatische Tigermücke in Deutschland zuerst etabliert hat. Der erste bestätigte Fund im Landkreis Heilbronn, in dem unser Firmensitz liegt, stammt vom Juli 2021.

Stand dieses Artikels: 17.07.2026. Wir prüfen ihn jährlich zu Saisonbeginn.

Quellen

  1. Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin 25/2026 — Saison 2026 stechmückenübertragener Krankheitserreger in Deutschland beginnt, 18.06.2026 — rki.de
  2. Robert Koch-Institut: Mückenübertragene Erkrankungen — FAQ, Stand 23.06.2026 — rki.de
  3. Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg: Die Stechmückensaison hat begonnen, 01.06.2026 — sozialministerium.baden-wuerttemberg.de
  4. Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit Baden-Württemberg: Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke eindämmen, 13.06.2025 — sozialministerium.baden-wuerttemberg.de
  5. Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg: Verbreitung der Tigermücke, Kartenstand 2025 — gesundheitsamt-bw.de
  6. Landeshauptstadt Stuttgart, Gesundheitsamt: Asiatische Tigermückestuttgart.de
  7. Landkreis Heilbronn: Asiatische Tigermückelandkreis-heilbronn.de
  8. TIGER-Platform (trinationale Initiative Oberrhein): Erkennungsmerkmaletiger-platform.eu
  9. KABS e.V.: Aedes albopictus — Asiatische Tigermücke und Aktuelle Bekämpfungsbereichekabsev.de
  10. Umweltbundesamt: Asiatische Tigermücke, Stand 27.02.2019, und Achtung Tigermücke!umweltbundesamt.de
  11. Hessisches Ministerium: FAQ zur Tigermückefamilie.hessen.de
  12. Friedrich-Loeffler-Institut: Asiatische Tigermücke überwintert in Süddeutschlandfli.de
  13. Mückenatlas (ZALF/FLI), Stand 29.06.2026 — mueckenatlas.com
  14. ECDC: Aedes albopictus — current known distribution: April 2026ecdc.europa.eu

Alle Quellen abgerufen am 16.07.2026.

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